Saudadismus in Portugal vs. Stockholm Syndrom

Portugal, das Land mit den aeltesten Grenzen Europas, erhaben unter allen Voelkern, seit Anbeginn an nur der Zensur des Papstes zur Rechenschaft pflichtig, das Land der Ritterorden und Mohrentoeter, das Land der Entdecker und Eroberer fremder Reiche, Helden der goettlichen Mission, Lehrer und Herren des Wortes Gottes unter Barbaren, Land des neuen Jerusalems auf Erden, auserwaehlt von unter den Staaten, Vermittler der Botschaft des Heilands, Retter des spirituell verlorenen Europas……

dieses Portugal war 1910 so arm wie eine Kirchenmaus, bankrott wie ein ungluecklicher Wuerfelspieler, Europas verspotteter Hasardeur, Schuldknecht der BaringsBank, Vasalle Englands, das Armenhaus Europas, ein Land der Bettler, Hilfsarbeiter und Analphabeten.

Die Saudade, die Schwaermerei ins Unendliche, um wie auf Engelsfluegeln hinaufgetragen zu werden zu Liebe und Geliebtwerden, zu Groesse, Ansehen und Befreiiung aller Unbilden, das ist die portugiesische Antwort, um dem Seienden (den Tatsachen) eine ertraeumte Wirklichkeit des Seins (die Utopie) entgegenzusetzen.

Die urkatholische Heilslehre des Neuen Testaments versprach den ehemaligen Sklaven der Roemer eine Epoche der Liebe.
Tatsaechlich jedoch wurden die Sklaven zu Leibeigenen katholischer Feudalherren und der Zustand eines Sklaven muss ihnen wie ein wuenschenswerter Wohlstand vorgekommen sein.

Saudade laesst sich nicht erklaeren, ohne auf diese „Liebe“ des Neuen Testaments als Ursprung diesen Seelenleidens eines Portugiesen zu verweisen.

Leider ist mir der Begriff „Dor“ in der rumaenischen Sprache nicht naeher bekannt, weiss nicht ob in den Itkuvirsi Finnlands eine vergleichbare Sehnsucht besteht.

Eine Sehnsucht in nordeuropaeischen Laendern, wo Calvinisten den alttestamentarischen Gedanken goettlicher Gerechtigkeit der Liebe gegenueberstellen und predigen, wo Eigeninitiative (Luther) und Eigenverantwortung (Kant) zu einem Tun auffordern, wo Goethe sagt, dass kein feiger Gedanken, baengliches Schwanken usw. kein Elend wendet und nicht frei macht, dort kann man die „saudade portuguesa“ die Portugiesische Sehnsucht auch beim besten Willen nicht in seiner vollen Tiefe und Weite nachempfinden.

Die Saudade blickt zurueck, zum Paradies, das verloren ist, von wo wir einst vertrieben wurden, um jetzt hier und heute gottverlassen und allein, ohne Aussicht auf Rettung unser Leben in diesem Jammertal zu Ende zu fuehren.

Portugiesen wie alle Katholiken „feiern“ immer den Todestag eines Menschen, gedenken seiner Verneinung eigener Rechtsansprueche, seiner persoenlichen Selbstaufgabe zugunsten der katholischen Naechstenliebe und Erdulden saemtlicher Qualen bis zum Tag der Erloesung, des Todes und Abschieds fuer eine Veraenderung in paradiesische Sphaeren.

Nordeuropaer, die sich vom Katholizismus befreien konnten, feiern folgerichtig den Geburtstag eines Menschen, gedenken seiner Taten zum Wohle der Menschheit, seines Lebens, seiner Pflichterfuellung .

Fuer einen Portugiesen ist dieser Nordeuropaer immer falsch im Charakter, immer ein Pharisaer, ein ueberheblicher Besserwisser.

Die Kirche hatte ja auch saemtliche Katholiken Nordeuropas, die sich in ihrem Glaubensbekenntnis nie anders als an der Lehre Christi orientiert hatten, aber die ethische Lebensfuehrung mit Taten statt Ohnmachtsgefuehlen bewerkstelligen wollten, die Waldenser, Katharer und alle anderen erfolgreich gejagd und abgetoetet.

So hatten Portugiesen nie eine Alternative erfahren koennen und verstaendlicherweise steht fuer den Portugiesen hinter jedem Reichtum ein Verbrechen, ist jeder Politiker nur ein Gewaltmensch, der sich zwischen Gott und ihn gesetzt hat, um das taegliche Brot, das von Gott kommt, unrechtmaessig zu verwalten, vorzuenthalten, ungerecht zu verteilen.

Von der Wiege bis zur Bahre sieht sich der Portugiese unter der Obhut eines Patriarchen, eine Obhut auf welche er einen heiligen Rechtsanspruch hat, die ihn beschuetzt und ernaehrt.

Die Welt ist wie sie ist.
Der portugugiesische Creationismus (creationismo) laesst den Portugiesen denken, dass Forschen, Suchen, Finden, Handeln beinahe eine Gotteslaesterung sind am Werk Gottes, an Seiner Perfektion und Unfehlbarkeit.

Als 1910 Portugal bettelarm war und allseits verspottet wurde, erklaerte Teixeira Pascoaes (1877 – 1952) die saudade zur Waffe, zum Wundertrank der Portugiesen, um eine Wiedergeburt Portugals „Renascença Portuguesa“ moeglich zu machen.

Der von Teixeira Pascoaes formulierte Saudadismo , unueberstzbar fuer mich, ist fuer Teixeira die „Kunst ein Portugiese zu sein“ (port.)

Es ist die Glorifizierung des Unerreichten und der eigenen Mittelmaessigkeit.
Kann man sagen: geradezu wagnerianisch ?
Saudade ist der Wunsch die „katholische Harmonie der Gefuehle erluegen wollen“ (Heine) und eben deshalb unstillbar.

Die Katastrophe fuer Portugal und seine liebenswerten ungeliebten Menschen ist, dass sie sich in ihrer Verblendung und Schwaermerei eben solchen Maechten und Fahnentraegern anschliessen, die den nationalen Untergang des lusitanischen Weltreiches herbeigefuehrt haben und dem Gold der ausgepluederten Portugiesen ihren eigenen Reichtum und Machtfuelle heutzutage verdanken.

Wer den Portugiesen ehrlich aufrichtig den machbaren Weg aus der Gefangenschaft weisen will, gilt als Diktator.
Wer zum Beispiel dafuer sorgen will, dass es eine funktionierende Verwaltung der Bodenschaetze, des Waldes und der Landwirtschaft gibt, und demzufolge keine Waldbraende mehr, findet kein Gehoer.

Wer aber nach Feuerbrunst, Unfalltod, Brueckeneinsturz und Massenentlassungen vor die Kamera tritt und weint und flucht und schimpft -obwohl es seine Pflicht gewesen waere, das Unheil vorherzusehen und abzuwenden- dieser Politiker wird geruehmt, verehrt, mit Mahnwachen beschuetzt,auch wenn er die Gemeindekasse bestohlen, die Gemeinde in Schulden versinkt, Entbindungsstationen geschlossen werden, weil mit dem Bau sinnloser und irrwitzig kostspieliger Fussballstadien sich ein persoenliches Denkmals setzen wollte.

Die Kunst ein Portugiese zu sein ist so raetselhaft wie das Stockholm Syndrom. !

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